»Oh, ich verstehe«, sagte Brigitte. Sie dachte eine Weile nach. »Du siehst aber ganz furchtbar wie ein Dämon aus.«

»Das Aussehen kann täuschen«, erklärte Azzie. »Laß mich gehen! Ich muß nach deinem Vater sehen.«

»Was gibst du mir dafür?« fragte Brigitte.

»Spielzeug«, sagte Azzie. »Mehr Spielzeug, als du jemals gesehen hast.«

»Gut«, erwiderte das kleine Mädchen. »Ich brauche aber auch noch neue Kleider.«

»Du bekommst eine völlig neue Garderobe. Aber laß mich jetzt frei!«

Brigitte kam näher und berührte den Knoten mit einem schmutzigen Zeigefinger. Dann hielt sie plötzlich inne. »Wenn ich dich freilasse, kommst du dann zu mir zurück, wenn ich dich rufe, und spielst mit mir?«

»Nein, das geht zu weit. Ich habe besseres zu tun. Ich kann nicht ständig für ein kleines rotznäsiges Dorfmädchen auf Abruf bereitstehen.«

»Na schön. Dann versprich mir, daß du mir drei Wünsche erfüllst, wann immer ich darum bitte.«

Azzie zögerte. Wünsche zu gewähren, kann einen in arge Schwierigkeiten bringen. Ein Dämon muß ein solches Versprechen einhalten. Und die Menschen und ihre Wünsche waren oft so extravagant!

»Ich gewähre dir einen Wunsch«, sagte er. »Solange er vernünftig ist.«

»Gut, einverstanden«, gab Brigitte nach. »Aber nicht zu vernünftig, ja?«

»Einverstanden! Und jetzt binde mich los!«

Brigitte löste den Knoten. Azzie rieb sich das Fußgelenk und kramte in seiner Tasche herum. Er fand eine Ersatzbatterie für sein Unsichtbarkeitsamulett, wechselte sie gegen die leere aus und verschwand.

»Und nicht vergessen, du hast es versprochen!« rief das kleine Mädchen.

Azzie wußte, daß er sein Versprechen nicht vergessen konnte, selbst wenn er es gewollt hätte. Versprechen, die übernatürliche Wesen gegenüber einem Menschen machen, werden im Amt für Ausgleichende Gerechtigkeit, das von Ananke geleitet wird, genau registriert. Vergißt ein Dämon ein gegebenes Versprechen, wird er von den Kräften der Notwendigkeit sehr schnell und schmerzhaft wieder daran erinnert.



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