
Azzie flog tief und langsam über die Stadt. Außer den vielen kleinen Häusern der einfachen Bürger entdeckte er auch die Paläste der Adligen und geistlichen Würdenträger. Am Rande der Stadt fand ein Jahrmarkt statt. Von dem fröhlichen Trubel angezogen, schwebte Azzie über die Zelte mit ihren Fahnen und Wimpeln und beschloß, dem Jahrmarkt einen Besuch abzustatten.
Er landete und nahm eine seiner Standarderscheinungen an: Die eines freundlich aussehenden stattlichen Mannes mit beginnender Glatze und einem zuckenden Auge. Seine Toga, die zu dieser Erscheinung gehörte, wirkte unpassend für die Umgebung, weshalb er in einer Bude einen grob gewobenen Mantel erstand. Danach sah er mehr oder weniger wie alle anderen aus.
Immer noch ein wenig orientierungslos, schlenderte er umher und sah sich um. Der Jahrmarkt bestand aus mehreren festen Gebäuden und über ein Feld verstreuten Zelten. Es wurden alle möglichen Dinge und Waren feilgeboten: Waffen, Kleidungsstücke, Nahrungsmittel, Vieh, Werkzeuge und Gewürze.
»Hallo, Ihr dort drüben! Ihr, Herr!«
Azzie drehte sich um. Ja, die alte Vettel vor dem kleinen schwarzen Zelt, das mit goldenen kabbalistischen Zeichen bemalt war, meinte ihn. Sie war dunkelhäutig und schien Araberin oder Zigeunerin zu sein.
»Habt Ihr mich gerufen?«
»In der Tat, Herr«, erwiderte sie mit einem ländlichen, nordafrikanischen Akzent. »Tretet ein.«
Ein Mensch wäre vielleicht vorsichtiger gewesen, denn man weiß nie, was einen in einem schwarzen Zelt mit kabbalistischen Zeichen erwartet, aber für Azzie war es der erste vertraute Anblick seit längerer Zeit. Es gibt ganze Dämonenstämme, die in schwarzen Zelten wohnen und als Nomaden durch die öden Weiten der Vorhölle ziehen. Obwohl Azzie von väterlicher Seite her Kanaaniter war, hatte er einige Verwandte unter den Beduinendämonen.
