
»Mein Gebieter möchte mit Euch sprechen.«
»Gut«, sagte Azzie. Es war schon lange her, seit er das letzte Mal mit einem der alten Götter geplaudert hatte. »Wo ist er?«
Die Vettel kniete vor dem Altar nieder und begann, vor sich hinzumurmeln. Kurz darauf überzog ein rosiger Schimmer den Marmor. Die Statue erwachte zum Leben, streckte sich, stieg von ihrem Sockel herab und nahm neben Azzie Platz.
»Geh und besorg uns etwas zu trinken«, trug Hermes der alten Frau auf. Nachdem sie verschwunden war, sagte er: »Also, Azzie, es ist lange her.«
»Ziemlich lange«, stimmte ihm Azzie zu. »Es ist schön, dich wiederzusehen, Hermes. Ich war leider nicht auf der Erde, als das Christentum den Paganismus besiegt hat – du weißt schon, andere Verpflichtungen –, aber ich möchte dir mein Beileid aussprechen.«
»Danke«, erwiderte Hermes, »aber eigentlich haben wir gar nichts verloren. Wir Götter sind alle noch im Geschäft. Wir gehen mit der Zeit, und manchmal bekleiden wir ehrwürdige Positionen in beiden Lagern – als Heilige oder Dämonen. Das erweitert den geistigen Horizont ganz ungemein. Es spricht eine ganze Menge für so eine Art von Zwischenstadium.«
»Freut mich, das zu hören«, versicherte Azzie. »Die Vorstellung eines ausgemusterten Gottes hat irgendwie etwas Trauriges an sich.«
»Mach dir nur keine Sorgen über uns. Ich habe meiner Dienerin Assia befohlen, dich zu rufen, Azzie, weil sie meinte, du würdest einen verlorenen Eindruck machen. Ich habe mir gedacht, ich könnte dir vielleicht helfen.«
»Das ist nett von dir«, sagte Azzie. »Vielleicht könntest du mir erzählen, was sich seit Caligula so getan hat.«
»Also, kurz gesagt, die römische Geschichte ist durch die Invasionen von Barbaren und durch schleichende Bleivergiftung zusammengebrochen. Jetzt sind die Barbaren überall am Ruder. Sie nennen sich selbst Franken, Sachsen und Westgoten und haben ein Reich errichtet, das sie Heiliges Römisches Kaiserreich nennen.«
