»Heilig?« hakte Azzie nach.

»So nennen sie es wenigstens. Warum, weiß ich auch nicht.«

»Aber wie ist das richtige Römische Reich gefallen?«

»Das kannst du in jedem Geschichtswerk nachschlagen«, sagte Hermes. »Glaub mir einfach. Es ist zusammengebrochen, und das war das Ende des klassischen Altertums. Der Zeitabschnitt, in dem wir uns jetzt befinden, wird das Mittelalter genannt – zumindest wird man es kurz nach seinem Ende so nennen. Du hast die Dunklen Jahrhunderte nur knapp verpaßt. Wir hatten eine Menge Spaß, das kann ich dir sagen! Aber diese Zeit ist auch nicht so übel.«

»Welches Jahr schreiben wir jetzt?« wollte Azzie wissen.

»Das Jahr 1000«, antwortete Hermes.

»Die Jahrtausendwende!«

»Genau.«

»Dann steht der Wettstreit kurz bevor!«

»Das stimmt, Azzie. Die Zeit ist gekommen, da die Mächte des Lichtes und der Finsternis ihren großen Wettstreit austragen, um festzulegen, wer die Essenz des menschlichen Schicksals in den nächsten tausend Jahren bestimmt und ob es sich zum Guten oder zum Bösen entwickelt. Was gedenkst du in dieser Angelegenheit zu unternehmen?«

»Ich?« fragte Azzie. »Was könnte ich tun?«

»Du kannst an dem Wettstreit teilnehmen.«

Azzie schüttelte den Kopf. »Der Vertreter des Bösen wird auf der Großen Ratsversammlung von den Hohen Mächten des Bösen bestimmt. Da kommen immer nur die Favoriten der Hohen Mächte zum Zug; sie wählen einen ihrer Freunde aus. Ich hätte nicht die geringste Chance.«

»So ist es früher gewesen«, sagte Hermes. »Aber wie ich gehört habe, findet eine Reformation der Hölle statt. Die Mächte des Lichtes üben einen ziemlich starken Druck auf sie aus. So hervorragend der Nepotismus auch sein mag, er reicht nicht mehr aus, als daß die Hölle damit ihren Standpunkt durchsetzen könnte. Soweit ich gehört habe, muß sich der Kandidat für den Wettstreit durch persönlichen Verdienst auszeichnen.«



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