
Azzie schwebte mit der Abenddämmerung ein, als sich die Sonne gerade anschickte, in der Adria zu versinken, und die Kuppeln und Türme Roms leuchten ließ, während sich über die Terrakottadächer bereits die Nacht herabsenkte. Er flog im Tiefflug über die verwinkelten Straßen hinweg und sank noch tiefer, um eine Runde über das Forum und das Colloseum zu drehen und den Anblick in angemessener Form zu genießen. Dann stieg er wieder in die Höhe und segelte zum Palatin. Hier lag ein ganz besonderer Friedhof, der Narbozzi, und das war auch der Ort, an dem die Dämonen seit unerdenklichen Zeiten ihre jährlichen Pokerrunden veranstalteten. Mit etwas Glück würde das Spiel auch dieses Jahr wieder hier stattfinden.
Der Narbozzi-Friedhof, der sich über viele Hektar der hügligen Nordseite des Palatin ausbreitete, war mit Marmorsarkophagen, steinernen Kreuzen und Familiengruften bedeckt. Azzie schlenderte die grasbewachsenen Pfade des Narbozzi entlang, die sich immer deutlicher vor seinen Augen abzeichneten, je tiefer die Sonne sank. Dämonen sehen in der Nacht besser als am Tag, weil die Nacht ihr natürliches Medium ist. Der Friedhof war groß, und Azzie hatte ein wenig Angst, daß er die Stelle, an der das Spiel stattfand, übersehen könnte. Hoffentlich nicht. Er hatte sein Glücksamulett in Form von Rognirs Felixit zur Sicherheit in ein Pergament eingewickelt, das ein Zeichen König Salomons trug. Und in seinem Beutel steckten Rognirs Edelsteine, sein Einsatz für das bevorstehende Spiel.
Er eilte dahin, und schon bald wich die Dämmerung endgültig der Nacht. Am Himmel erschien ein abnehmender Sichelmond, und Sirius, der Hundestern, glühte rot, ein günstiges Omen für das Böse.
