
»Wo findet das Spiel statt?« erkundigte er sich.
»Gleich da drüben«, erwiderte der Sukkubus. Soweit Azzie es anhand ihres Nasenrings und der nach hinten gedrehten Füße beurteilen konnte, handelte es sich um eine indische Dämonin. Sie lächelte ihn verführerisch an. Sie war wirklich schön, doch Azzie war im Augenblick weder nach einem erotischen Abenteuer zumute noch verspürte er Appetit, denn die Spielleidenschaft hatte ihn gepackt, und er hastete zu den Spielern.
Die kartenspielenden Dämonen hatten einen Kreis gebildet, der von Fackeln und Talgkerzen erhellt wurde, die aus widerlichen wachsartigen Substanzen bestanden. Der innere Kreis war von einem weiteren Ring Dämonen umgeben, die das Spiel verfolgten und die einzelnen Züge kommentierten. Als Azzie eintraf, wurde gerade um einen hohen Einsatz gespielt. Im Pot waren etliche Goldmünzen, ein paar Silberdenare und ein menschlicher Torso von beträchtlichem Wert, da noch Blut aus den Arm- und Beinstümpfen tropfte. Die letzten Einsätze wurden getätigt, und ein kleiner Dämon mit einem Kugelbauch, dürren Armen und Beinen und einer langen Nase (dem Rentierpullover nach zu schließen ein Lappe) gewann das Spiel und den gesamten Pot.
»Neuer Spieler!« rief irgend jemand, worauf die anderen zur Seite rückten und Azzie Platz machten.
Azzie setzte sich, legte die Edelsteine vor sich und erhielt seine Karten. Am Anfang verhielt er sich vorsichtig. Es war schon ziemlich lange her, seit er das letzte Mal an einer Pokerrunde teilgenommen hatte. Diesmal war er trotz seines Glücksamuletts aus Felixit entschlossen, kein unnötiges Risiko einzugehen, nur bei guten Blättern zu reizen, im Zweifelsfall zu passen und all die anderen Dinge zu tun, die sich Pokerspieler – ob Menschen oder Dämonen – seit jeher vornehmen. Er wechselte ein paar seiner Steine in Körperteile und begann zu spielen. Und so nahm das Spiel in der vom unheimlich grünen Licht der Fackeln aufgehellten Dunkelheit seinen Verlauf, untermalt vom Gelächter und den Flüchen der Dämonen, je nachdem, wem das Glück gerade lachte.
