
Dämonische Pokerspieler sind lustige Gesellen, solange ihnen das Glück hold ist. Sie beginnen ihre Spiele in bester Laune, setzen ganze Menschenköpfe und erhöhen die Einsätze in fröhlicher Unbekümmertheit um Gliedmaßen. Das alles wird von der Art von Spaßen begleitet, die Dämonen ungemein witzig, andere Geschöpfe jedoch reichlich geschmacklos finden. »Möchte irgend jemand ein Heldensandwich?« fragte einer der Dämonenbediensteten, als ein Tablett mit menschlichen Körperteilen herumgereicht wurde.
Schon bald hatte Azzie alle guten Vorsätze vergessen. Er wurde unvorsichtig und reizte immer wilder und riskanter. Ständig mußte er daran denken, wie gern er an dem Böse-Taten- Jahrtausendwendebankett teilnehmen wollte. Wenn er doch nur gewinnen könnte! Er sehnte sich von ganzem Herzen danach, das Böse im Jahrtausendwettkampf zwischen Licht und Finsternis zu repräsentieren.
Unglücklicherweise aber schrumpfte sein Stapel an Körperteilen unaufhaltsam. Er wußte nur zu gut, daß er die Einsätze wild, dumm und dämonisch erhöhte, aber er konnte nichts dagegen tun. Völlig im Bann des Spiels gefangen, registrierte er kaum, daß es immer die größeren Dämonen zu sein schienen, die die lohnenden Gewinne einstrichen. Was war nur mit seinem Felixit nicht in Ordnung? Wieso gewann er nie einen der großen Einsätze?
Dann kam ihm schließlich die Erkenntnis, daß alle Dämonen Glückstalismane trugen, und je bedeutender ein Dämon war, desto besser war natürlich auch der Glücksbringer, den er sich leisten konnte. Die Vermutung lag auf der Hand, daß die Talismane der anderen den seinen neutralisierten. Wieder einmal wurde er gnadenlos über den Tisch gezogen! Das war undenkbar und äußerst ungerecht.
Die Nacht verging wie im Flug, und irgendwann bemerkte Azzie ein schwaches Glühen am östlichen Horizont. Schon bald würde die Morgendämmerung hereinbrechen, und das Spiel würde beendet werden, es sei denn, irgend jemand hatte einen Schlüssel zu einer Privatgruft. Zu diesem Zeitpunkt hatte Azzie bereits den größten Teil seines anfänglichen Vermögens verloren.
