Als ihr jung wart, o ihr Beine, habt ihr viele stattliche Eichen erklommen, seid geschwind den Ufern vieler strömender Bäche gefolgt und hurtig über die freundlichen grünen Felder eures Heimatlandes gelaufen. So darf ich wohl sagen, daß ihr in kühnem Schwung über manch Gestrüpp und Hecken hinwegsetzt, während ihr euch euren Weg bahntet. Kein Pfad war euch zu lang, und niemals seid ihr ermüdet.«

»Glaubst du?« fragte eine Stimme irgendwo über und hinter Azzie. Der Dämon drehte sich um und erblickte die düster gekleidete Gestalt von Hermes Trismegistus. Es überraschte ihn nicht, daß der Magier ihm hierher gefolgt war. Hermes und die anderen alten Götter schienen einen anderen Weg als Dämonen und Menschen zu beschreiten, einen Weg, für den solche Dinge wie Gut und Böse von keinerlei Bedeutung sind.

»Schön, dich wiederzusehen, Hermes«, sagte Azzie. »Ich habe gerade über dieses Beinpaar philosophiert.«

»Ich habe nicht vor, dich davon abzuhalten«, versicherte Hermes. Er hatte knapp zwei Meter über Azzies Kopf in der Luft geschwebt. Jetzt sank er elegant zu Boden, beugte sich vor und begutachtete die Beine.

»Welcher Art von Mann, glaubst du, haben die gehört?« erkundigte er sich.

Azzie drehte sich um und betrachtete die Beine nachdenklich. »Offensichtlich einem fröhlichen Mann, denn sieh her, sie sind noch immer mit farbenfrohen Wollbändern der Art umwickelt, die es Gecken und selbstgefälligen Burschen angetan hat.«

»Ein Geck, meinst du?«

»Mit ziemlicher Sicherheit, denn schau, wie prächtig die Waden geformt sind, wie perfekt und fein die Muskeln der Oberschenkel. Auch dürften dir die kleinen Füße und ihre hohe aristokratische Wölbung auffallen, die wohlgepflegten Zehen und die gleichmäßig geschnittenen Zehennägel. Darüber hinaus gibt es keine nennenswerten Schwielen an den Fersen oder an den Seiten. Dieser Bursche mußte nicht viel arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, jedenfalls nicht mit den Füßen. Wie, glaubst du, ist er gestorben?«



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