
»Ich habe hier eine kleine Liste mit den Eigenschaften zusammengestellt, die ich von einem Diener erwarte«, sagte Azzie. »Ich möchte, daß Ihr sie irgendwo anheftet.«
Er reichte dem Gastwirt ein Pergament. Der Mann nahm es entgegen und schob es vor seiner Nase hin und her, bis er es in die richtige Leseentfernung gebracht hatte.
Der Text lautete: Diener gesucht, ein Mann, der nicht zimperlich ist, mit Blut und Schmerzen vertraut, ehrlich, zuverlässig und zu allem bereit.
Der Wirt las den Text ein paar Mal und sagte schließlich: »Ein solcher Mann könnte gefunden werden, wenn nicht hier in Hagenbeck, dann im nahe gelegenen Augsburg. Aber es wäre mir ein Vergnügen, dieses Pergament an meine Vorderwand neben die Preislisten für Heu und Hafer zu nageln. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.«
»Tut das«, forderte Azzie ihn auf. »Und schickt mir eine Flasche Eures besten Weins auf mein Zimmer, für den Fall, daß das Warten langweilig werden sollte.«
Der Gastwirt verbeugte sich tief und verzog sich. Nach wenigen Minuten schickte er das Dienstmädchen zu Azzie hinauf, ein bedauernswertes Ding mit einem entstellten Gesicht und einem schleppenden Gang, das nicht nur die Weinflasche, sondern auch einen Teller mit kleinen Kuchen brachte, die der Koch gerade erst gebacken hatte. Azzie gab ihr einen Silberpenny, für den sie sich rührend dankbar zeigte. Dann machte er es sich bequem und aß und trank. Natürlich benötigen Dämonen eigentlich keine Nahrung, aber wenn sie menschliche Gestalt annehmen, übernehmen sie damit auch menschliche Bedürfnisse. Die Lust am Essen und Trinken gehört dazu. Azzie aß ausgiebig und ließ sich danach die Amselpastete bringen, deren Duft er aus dem Backofen der gut ausgestatteten Küche der Herberge auf steigen roch.
Es dauerte nicht lange, bis der erste Bewerber an seine Tür klopfte. Es war ein hochgewachsener junger Mann, strohdünn und mit einem wilden hellblonden Haarschopf, der seinen Kopf wie eine Art Heiligenschein umwallte. Seine Kleidung war ordentlich, wenn auch ziemlich stark geflickt. Er machte einen gepflegten Eindruck und verneigte sich tief, als Azzie die Tür öffnete.
