
Augustus Hye verschwand nicht gerade glücklich. Seine Hoffnung sank bereits. Wie alle Poeten war er eher darin geübt, über Blut und Schmerzen zu sprechen, als sich tatsächlich die Hände damit schmutzig zu machen. Trotzdem hatte er beschlossen, einen Versuch zu wagen, weil Lord Azzie, wie sich der Fremde nannte, offensichtlich ein wohlhabender Mann war und vermutlich sehr großzügig sein konnte.
Azzies nächster Besucher war eine alte Frau. Sie war groß und schlank, ganz in Schwarz gekleidet, und sie hatte kleine Augen und eine lange Nase. Ihr Lippen waren dünn und blutleer.
»Ich weiß, daß Ihr eigentlich einen Mann sucht«, sagte sie, nachdem sie einen tiefen Knicks gemacht hatte, »aber ich hoffe, Ihr besteht nicht darauf. Ich würde eine wunderbare Dienerin für Euch sein, Lord Azzie, und Ihr könntet Euch gleichzeitig an meinen Vorzügen erfreuen.«
Azzie erschauderte. Diese alte Vettel mußte wirklich eine blühende Phantasie haben, wenn sie glaubte, irgendein Edelmann – oder ein als Edelmann getarnter Dämon – könnte sie zu irgend etwas anderem gebrauchen, als sich nach einem langen Tagesritt von ihr die Stiefel ausziehen zu lassen. Trotzdem beschloß er, ihr gegenüber nicht ungerecht zu sein.
Er wiederholte die Anweisungen, die er bereits dem Poeten gegeben hatte. Wie Hye schien auch die alte Frau, die Agatha hieß, überrascht zu sein. Sie gehörte zu den Menschen, die Äußerlichkeiten für den wesentlichen Teil des Bösen halten. Jahrelang hatte sie nur auf Grund ihrer Erscheinung und des daraus resultierenden Rufs, was böse Taten betraf, ihren Lebensunterhalt in Hagenbeck bestreiten können. Sie hatte geglaubt, daß dieser Posten genau die richtige Aufgabe für sie sein würde, da sie bereits wie jemand aussah, der vor keiner Schandtat zurückschreckte und sich an Blut und Schmerzen erfreute. Doch trotz ihrer äußeren Erscheinung war sie eine Frau, der es bereits schwerfiel, einem Huhn den Kopf abzuhacken. Trotzdem versprach sie, ihr Bestes zu tun und gegen Mitternacht mit ihrer Beute zurückzukehren.
