Das waren alle Bewerber, die an diesem Tag erschienen. Azzie war nicht sonderlich zufrieden. Die Menschen in diesem Teil der Welt schienen wenig Lust zu verspüren, seine Art von Arbeit zu leisten. Aber er würde nicht aufgeben. Es war absolut unverzichtbar, einen Diener zu haben.

KAPITEL 5

An diesem Nachmittag besuchte Azzie die nahe gelegene Stadt Augsburg und verbrachte den Rest des Tages damit, umherzuschlendern und sich die uralten Kirchen anzusehen. Dämonen sind äußerst interessiert an Kirchen, die trotz der Kräfte des Guten, die sie beherbergen, oft so umgedreht werden können, daß sie dem Bösen dienen. Am frühen Abend kehrte er in das Gasthaus Zum Gehängten zurück, wo er von dem Wirt erfuhr, daß sich niemand mehr für die ausgeschriebene Stellung beworben hatte.

Er zog seine schwarze Kreditkarte hervor und betrachtete sie genauer. Es war eine schöne Karte, und er verspürte den Drang, etwas damit zu bestellen, das ihm Spaß bereiten würde, zum Beispiel ein paar Tänzerinnen. Aber er entschied sich dagegen. Immer eins nach dem anderen. Zuerst brauchte er einen menschlichen Diener. Danach würden sowohl die Arbeit als auch das Vergnügen beginnen.

Am Abend beschloß er, seine Mahlzeit mit den Händlern unten im Schankraum einzunehmen. Er hatte sich einen besonderen Tisch reservieren lassen, der durch einen Vorhang verdeckt war, aber er zog ihn einen kleinen Spalt zur Seite, um das Treiben der anderen Gäste beobachten zu können.

Sie aßen, tranken und zechten, und Azzie fragte sich, wie sie nur so unbekümmert sein konnten. Spürten sie denn nicht, daß die Jahrtausendwende näher rückte? Überall sonst in Europa wußten die Menschen Bescheid und ergriffen alle denkbaren Vorkehrungen. Es gab Totentänze auf verfluchten Heideflecken und alle Arten von Zeichen und Omen. Viele Leute waren überzeugt, daß das Ende der Welt bevorstand.



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