
Die Mitternacht kam und verstrich, und niemand klopfte an seine Tür. Azzie begann sich zu langweilen, und das große Bett mit seinen flauschigen Eiderdaunendecken sah ungeheuer einladend aus. Es stellte eine Versuchung dar, und da von Dämonen nicht erwartet wird, Versuchungen zu widerstehen, gab er ihr nach, legte sich ins Bett und schloß die Augen. Er fiel in einen tiefen Schlaf und träumte.
In seinem Traum erschienen drei ganz in Weiß gekleidete junge Mädchen, die geheiligte Gegenstände in den Händen hielten. Sie winkten ihm zu und sagten: »Komm, Azzie, nimm teil an unserem frohen Treiben.« Und als Azzie sie betrachtete, verspürte er eine große Lust, sich zu ihnen zu gesellen, denn sie winkten und zwinkerten ihm sehr verführerisch zu. Aber sie hatten irgend etwas an sich, das ihm nicht gefiel, das seinem kundigen Auge verriet, daß sie das Böse nicht wirklich mochten und ihm nur etwas vorspielten, um ihn in ihre Fänge zu locken. Trotzdem fühlte er sich beinahe gegen seinen Willen zu ihnen hingezogen, obwohl er sich einige Zeilen des Glaubensbekenntnisses des Bösen ins Gedächtnis rief, die besagten, daß das Gute in der Lage war, eine angenehme Gestalt anzunehmen, und sich ein Dämon vorsehen mußte, um sich nicht von etwas verführen zu lassen, das nur scheinbar böse war. Aber das Credo half ihm nicht. Die Mädchen streckten die Hände nach ihm aus…
Er sollte nie erfahren, wie der Traum weitergegangen wäre, denn in diesem Augenblick wurde er von einem Klopfen an der Tür geweckt. Er setzte sich auf und riß sich zusammen. Wie lächerlich es doch war, sich davor zu fürchten, vom Guten verführt zu werden! Das war eine unter Dämonen weitverbreitete Angst, und es erschreckte ihn, davon zu träumen.
Das Pochen wiederholte sich.
Azzie überprüfte sein Aussehen in dem gesprungenen Spiegel. Er strich seine Augenbrauen glatt und das rote Haar zurück und setzte versuchsweise einen finsteren Blick auf. Ja, er sah heute nacht eindeutig furchteinflößend aus, bereit für jeden Bewerber, der durch die Tür treten mochte.
